{"id":326,"date":"2009-03-09T21:06:38","date_gmt":"2009-03-09T20:06:38","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.mittelschule-herschel.de\/?p=326"},"modified":"2025-10-25T12:02:41","modified_gmt":"2025-10-25T11:02:41","slug":"dk-ueber-antigone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mittelschule-herschel.de\/?p=326","title":{"rendered":"DK \u00fcber Antigone"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Rhythmus von Antigone<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ingolstadt (DK) Die Jugendlichen haben je zwei Steine mitgebracht, sich einen Rhythmus ausgedacht und sich Gedanken dar\u00fcber gemacht, was sie unbedingt in ihrem Leben erreichen wollen. Das waren die Hausaufgaben f\u00fcr die Akteure des Klangtheater-Projekts &#8222;unbedingt! Antigone&#8220;. Heute ist an der Hauptschule Lessingstra\u00dfe eine Probe mit der Musikerin Robyn Schulkowsky angesetzt \u2013 da geht es ans Eingemachte.<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00fcnstlerin versp\u00e4tet sich, und die Jugendlichen erz\u00e4hlen. Der 14-j\u00e4hrige Gennadi wei\u00df genau, was er will: &#8222;Eine gl\u00fcckliche Familie und ein Auto.&#8220; Warum ausgerechnet das? &#8222;Weil ich ja nicht als einsamer Mensch sterben will.&#8220; Oguz, ein 13 Jahre alter Hauptsch\u00fcler, will T\u00e4nzer werden, und Basak m\u00f6chte sp\u00e4ter einmal Zwillinge bekommen und w\u00fcnscht sich ansonsten einen guten Beruf und Frieden in der Familie.<br \/>\nWille und Gesetz<\/p>\n<p>Den hatte gerade Antigone nicht. Die Gestalt aus der griechischen Mythologie, Spross der inzestu\u00f6sen Ehe zwischen Iokaste und \u00d6dipus, begeht am Ende Selbstmord. Die Hauptsch\u00fcler wissen noch nichts Genaues von diesem tragischen Stoff, dem Konflikt zwischen g\u00f6ttlichem und menschlichem Gesetz. &#8222;Das war halt eine Frau, die ihren Willen durchsetzen wollte&#8220;, erkl\u00e4rt Veronika mit einfachen Worten.<\/p>\n<p>Die Zw\u00f6lfj\u00e4hrige hat schon im vergangenen Jahr bei &#8222;Elektras Traum&#8220; mitgewirkt, hatte sogar eine tragende Rolle: &#8222;Ich hab\u2019 den Text von Chrysothemis gesprochen, von oben vom Balkon&#8220;, erz\u00e4hlt sie stolz. Und auch Anneliese (15) ist schon zum zweiten Mal mit von der Partie. &#8222;Anfangs kamen Anastasia und ich uns wie Au\u00dfenseiter vor&#8220;, erinnert sie sich an die ersten Begegnungen mit den Mitspielern von den Realschulen und Gymnasien. &#8222;Aber dann kamen diese Workshops am Habsberg und in Pf\u00fcnz, und dort haben wir uns angefreundet. Ich hab\u2019 noch mit ein paar Leuten Kontakte im Internet.&#8220;<\/p>\n<p>Genau das ist Sinn des Integrationsprojekts. Die M\u00e4dchen haben andere Mitsch\u00fclerinnen mitgerissen, und jetzt sind alle Feuer und Flamme f\u00fcr das Projekt, fiebern der bevorstehenden Auff\u00fchrung entgegen und suchen erst einmal ihren Rhythmus, den Klang f\u00fcr Antigone. Sie \u00fcben und \u00fcben, stampfen und klatschen, bis die K\u00fcnstlerin endlich hereingehetzt kommt, direkt von der Probe an der Herschelschule.<\/p>\n<p>Es gibt einen Sonderapplaus f\u00fcr Robyn. Vor allem Anneliese ist hin und weg von der charismatischen Frau mit den langen grauen Haaren und den intensiven blauen Augen: &#8222;Die ist so verr\u00fcckt drauf, das mag ich, das ist cool&#8220;, schw\u00e4rmt die 15-J\u00e4hrige. Aber auch streng: &#8222;Mathe, Mathe, Mathe, Mathe&#8220;, ruft die Schlagzeugerin immer wieder, z\u00e4hlt dabei von eins bis zw\u00f6lf, rechter Fu\u00df und linker Fu\u00df, klatscht einmal auf eins, vier, sieben, zehn und das andere Mal bei eins, f\u00fcnf und neun. &#8222;Vier Mal drei , drei Mal vier.&#8220;<\/p>\n<p>Mathe, Mathe, Mathe<\/p>\n<p>Manchen f\u00e4llt es leicht mit diesem Poyrhythmus, einige Jugendliche tun sich schwer. &#8222;Seid ihr alle so schlecht in Mathe&#8220;, schimpft Robyn. Ein M\u00e4dchen schafft es immer noch nicht: &#8222;Hast du ein Problem? Sind dir die F\u00fc\u00dfe festgeklebt&#8220; Und dann ruft die Musikerin wieder: &#8222;Mathe, Mathe, Mathe!&#8220;<\/p>\n<p>Unerbittlich gibt sich die K\u00fcnstlerin, aber die Jugendlichen bleiben bei der Sache, konzentrieren sich, bem\u00fchen sich, z\u00e4hlen und stampfen und klopfen ihre Steine aneinander. Und pl\u00f6tzlich, f\u00fcr einen kurzen Moment, tritt aus diesem Klack, Klack, Klack ganz klar der Klang heraus \u2013 der Klang f\u00fcr Antigone. &#8222;Alles, was wir l\u00e4nger als drei Minuten, l\u00e4nger als eine Popnummer hinkriegen, ist toll&#8220;, meint Robyn Schulkowsky nach der Probe, und sie wirkt pl\u00f6tzlich sehr zufrieden. &#8222;Die Disziplin ist mir wurscht, aber wir m\u00fcssen Verantwortung entwickeln.&#8220;<\/p>\n<p>Es sind nur wenige Proben mit Robyn Schulkowsky und der Regisseurin Eva Lange angesetzt, die f\u00fcr das Konzept und die k\u00fcnstlerische Leitung von &#8222;unbedingt! Antigone&#8220; verantwortlich sind. Zwischendurch \u00fcben die rund 100 beteiligten Jugendlichen mit ihren Lehrern. Im Juni beginnt dann die hei\u00dfe Phase, die Auff\u00fchrungen finden am 14., 15. und 16. Juli in der alten Viehmarkthalle statt.<\/p>\n<p>Begleitend dazu werden aber auch verschiedene Projekte in den Quartieren und an den Schulen umgesetzt zu Themen wie Zivilcourage und Gewalt. Parallel laufen au\u00dferdem eine Grafikgruppe und Improvisationstheater. 144 000 Euro stehen insgesamt zur Verf\u00fcgung. &#8222;Wir wollen das Projekt auf eine breite Basis stellen&#8220;, erkl\u00e4rt Christoph Bittlmayer, Stadtteilkoordinator im Augustinviertel. Antigone soll weiterklingen \u2013 in der ganzen Stadt.<\/p>\n<p>Von Suzanne Schattenhofer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Rhythmus von Antigone Ingolstadt (DK) Die Jugendlichen haben je zwei Steine mitgebracht, sich einen Rhythmus ausgedacht und sich Gedanken dar\u00fcber gemacht, was sie unbedingt in ihrem Leben erreichen wollen. Das waren die Hausaufgaben f\u00fcr die Akteure des Klangtheater-Projekts &#8222;unbedingt! Antigone&#8220;. 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